Marit Beer
Im Gespräch mit

Marit Beer

Berlin, Deutschland

Hi Marit, bitte stell dich kurz vor.

Ich lebe in Berlin, fotografiere gefühlt schon immer.

Welche Bedeutung hat für dich analoge Fotografie? Was reizt / fasziniert dich daran?

Ich kann die Filmrolle und später die Negative anfassen und damit verstehen. Ich kann meine Bilder selbst auf Papier abziehen und experimentieren. Eine Filmrolle hat nur 36 oder 12 Frames, diese Beschränkung hilft mir, auszuwählen, was ich wie fotografiere und warum. Ich bin dann konzentrierter. Das ist wichtig für mich. Das Digitale entgleitet mir.

Was sind aus deiner Sicht die Vor- und Nachteile der analogen Fotografie?

Nachteil der analogen Fotografie ist eindeutig die eingesetzte Chemie.

Konzentrierst du dich bei deinen Arbeiten auf einen bestimmten Schwerpunkt?

Mich interessiert der Mensch und die Natur und die Beziehung zwischen beiden. Durch die Verstädtlichung entfremden wir uns von natürlichen Prozessen. Wir sehen die Natur lediglich als unsere Ressourcenkammer an. Wir formen sie, wir beuten sie aus, wir verdrängen andere Lebewesen. Ich gehe mit den Menschen raus, im besten Fall finden wir einen Ort, der uns anspricht. Wir setzen uns hin und schauen uns erstmal um und analysieren, was wächst hier, wie ist der Boden beschaffen, was lebt, hier versus wie hat der Mensch hier schon eingegriffen, wie ist die Geschichte des Ortes. Ich versuche in meinen Bildern zu vermitteln, dass wir Teil einer größeren Sache sind, zu dieser Natur gehören.

Gibt es (analoge) Fotograf:innen, die deine Ästhetik und Herangehensweise beeinflusst haben?

Ich mag die Poesie von Sarah Moons Arbeiten. “What Remains” von Sally Mann hat mich stark beeindruckt und verstört zugleich.

Gibt es bestimmte Kameras oder Filme mit denen du bevorzugt arbeitest?

Die Kameras kamen mehr oder weniger zu mir und ich habe gelernt, mit Ihnen zu arbeiten. Die Canonet benutze ich gern auf Reisen, sie ist leicht und lässt sich gut verstauen. Die Mittelformatkamera benutze ich gern Zuhause, sie beschränkt mich am meisten. Wenn ich mit Ihr fotografiere, dann arrangiere ich alles im Frame wie ein Stillleben. Die Canon A-1 benutze ich gern draußen. Sie ist unkompliziert.

Apropos Filme: Wie sieht dein Workflow aus?

Filmentwicklung, scannen, Auswahl. Im besten Fall werden dann ein oder zwei Bilder in der Dunkelkammer abgezogen.

Welchen Rat würdest du anderen Fotograf:innen geben, die dieses Interview lesen?

Probiere dich aus, hab Spaß.

Falls du deine Arbeiten auf Instagram veröffentlichst: Fluch oder Segen?

Ich habe sehr tolle Leute und Organisationen über Instagram kennengelernt, darüber viele Ausstellungen organisieren können. Ich beschränke mich auf der Plattform stark und folge nur Menschen/Museen/Galerien, die mir persönlich zusagen. Damit sehe ich das, was ich ausgewählt habe. Und ich habe nicht viele Follower, was sicher ein Segen ist, denn oft sind es nette Kommentare und Kontakte.

Welche drei Fotobücher kannst du empfehlen / sollte man unbedingt besitzen?

Sarah Moon: 1,2,3,4,5 + DVD (Sammelwerk)

Vielen Dank für deine Zeit!

Präferenzen

Kamera/s

Canon A-1, Canonet, Bronica

Film/e

Kodak Portra 160, Ilford HP5

Farbe & s/w

Farbe & S/W

Ausgewählte Arbeiten

© Marit Beer
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